Programmieren einmal anders: deutsch-französische Begegnung in Caen

In der ersten Pfingstferienwoche führten wir nach zehnjähriger Pause  gemeinsam mit fünf Schülern des Fachbereichs IT wieder ein mehrtägiges Programmierprojekt mit dem Institut universitaire de téchnologie (IuT) in Caen (Frankreich) durch. Dies war auch dank der finanziellen Unterstützung des Deutsch französischen Jugendwerks möglich.

Nach 12-stündiger Anreise am Pfingstmontag und kurzem Schlaf besuchten wir am Dienstag allerdings zunächst die geschichtsträchtige Calvadosküste in der Normandie, wo mit der Landung der Kanadier, Amerikaner und Briten in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1944 die Befreiung des europäischen Festlandes von Hitlerdeutschland begann:

Herr Steinam gab den Azubis zunächst einen Überblick über die Vorgänge bei der Anlandung der Alliierten im Jahr 1944. Anschließend besichtigten wir die Überreste des künstlichen Hafens von Arromanche, die immer noch imposant im Wasser liegen. Danach ging es weiter zum amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer. Die unzähligen Soldatengräber direkt oberhalb eines wunderbaren weißen Sandstrands wirkten auf alle beklemmend. An vielen Gräbern lagen Blumen, die anlässlich des 75. Jahrestages der Landung der Alliierten von Angehörigen oder Veteranen niedergelegt worden waren.
Schließlich führte die Fahrt uns zur Pointe du Hoc, einem Abschnitt der normannischen Steilküste, wo die Vereinigten Staaten die Überreste einer deutschen Militärstellung pflegen und veruchen, diese im Zustand von 1944 zu erhalten. Ein Feuerleitstand ist ebenso zu begehen wie Geschützstände und etlich Krater. Ein Stück Zeitgeschichte, die alle beeindruckte.

Am Mittwoch erwarteten uns dann Kollegen und Studenten des IuT zum gemeinsamen „projet agile“, das bis Freitag dauerte. Dabei waren für den Inhaber einer Tauchschule sowie die Verwaltung des IuT Caen innerhalb von nur drei Tagen lauffähige Anwendungen zum Lernfortschritt von Tauchschüler bzw. zur Absenzenverwaltung von Studenten zu schreiben. Zu jedem Thema waren vier Studentengruppen am Start, die miteinander konkurrierten. Drei unserer deutschen Azubis unterstützten die Gruppe „poisson rouge“ beim Tauchschule-Thema, die beiden anderen arbeiteten mit einer zweiten Gruppe am Thema Absenzenverwaltung mit.

Nach anfänglichen Kommunikationshemmungen wurde fleißig in die Tasten gehauen, grafische Oberflächen und Programmlogik entwickelt, eine Datenbank entworfen und mit Leben gefüllt. Alle drei Stunden wurden jede Gruppe einzeln vom Kunden zum Rapport bestellt. Dann wurde überprüft, ob die versprochenen Dienstleistungen auch geliefert wurden. Fehlten Funktionalitäten oder erfüllten diese nicht die Kundenwünsche, musste nachgebessert werden. Bis Freitagnachmittag waren alle Projektteilnehmer gut beschäftigt, Nachtschichten wurden eingelegt, um die Programme zur Zufriedenheit der Kunden fertig zu stellen. Auch unsere Azubis arbeiteten in der Nacht von Donnerstag auf Freitag bis ein Uhr morgens. Die Arbeit lohnte sich aber, die deutsch-französischen Gruppen gewannen für beide Projekte den Wettkampf!

Zum Abschluss des Projekt stand nochmals Zeitgeschichte auf dem Programm: Wir beamten uns etwa 1000 Jahre zurück und erlebten bei der Besichtigung des „Teppichs von Bayeux“ den Sieg Wilhelms des Eroberers bei der Schlacht von Hastings nach. Der „Teppich von Bayeux“ ist ein fast 69 (!)Meter langes Tuch,  das in 58 Szenen die Eroberung Englands durch die Normannen im Jahr 1066 zeigt. Ausklingen ließen wir die Projektwoche schließlich wie Gott in Frankreich bei Cidre und einem leckeren französischen Menü, bevor wir uns am Samstag auf die Rückfahrt machten.